Mittagsgebet in der Moschee – Wie Muslime beten

Allahu akbar. Gott ist groß. 13:16 Uhr in Mudanya, einem Ort an der türkischen Marmarameerküste. Der Muezzin ruft zum Mittagsgebet. Vor uns haben es zwei Männer genauso eilig wie wir. Das Minarett der Moschee ist zwar schon zu sehen, es sind aber noch gut 250 Meter bis dahin. Aber der Ezan, der Aufruf zum Gebet, hat gerade erst begonnen. Er begleitet uns in den kommenden knapp fünf Minuten auf unserem eiligen Weg.

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Die „Alte Moschee“ in Mudanya.

Ich begleite meinen Schwager Sahin zum Mittagsgebet. Heute will ich miterleben, wie genau das in der Moschee abläuft. Denn das muslimische Beten übt seit vielen Jahren eine Faszination auf mich aus. Etwa 15 Jahre ist es her. Es war auch im Urlaub, in der Altstadt von Kusadasi hier in der Türkei. Ich beobachtete damals einen alten Mann, der sich mit der rituellen Waschung auf den Besuch in der Moschee vorbereitete. Seine Hingabe und tiefe Frömmigkeit habe ich nicht mehr vergessen.

Jetzt sind bereits der Zaun der Moschee und Teile des Innenhofes zu sehen. Auch hier bereiten sich die Männer gerade auf das Gebet vor. Füße, Hände, Haare, Gesicht, Ohren, Nase und Mund. Die Schuhe werden ausgezogen, sie betreten den mit einem dicken Teppich ausgelegten heiligen Raum auf Socken. Das, was man abwaschen kann, soll draußen bleiben, wenn sie vor Allah treten. Das andere kann im Gebet zur Sprache kommen.

Hier breitet sich ein Mann auf das Gebet in der Ulu Camii in Bursa vor.
Hier breitet sich ein Mann auf das Gebet in der Ulu Camii in Bursa vor.

Hayiya ‚ala s-salat, Hayiya ‚ala al-falah. Auf zum Gebet, auf zur Seligkeit ruft der Muezzin. Wir sind die letzen, die die uralte Moschee aus dem Jahr 1500 betreten. Und es ist auch wirklich Zeit, die Plätze einzunehmen. In dem eher kleinen Bauwerk warten vor uns bereits etwa 70 Männer kniend auf die einleidenden Worte des Imams. Auf einem Balkon über uns sind einige Frauen, die ich nicht sehen kann. Sahin sagt mir, dass sie da sind. Beim Gebet sollen sich Frauen und Männer durch nichts ablenken lassen, auch nicht durch das andere Geschlecht.

Ich verziehe mich in die hinterste Reihe. Der Imam eröffnet nun den ersten Teil des Mittagsgebetes. Bei dieser Ouvertüre kann mitmachen, wer möchte. Aufstehen, in die Knie gehen, den Kopf verneigen, bis die Stirn den Boden berührt, wieder in die Hocke, aufstehen. Und von vorne. Dabei murmeln die Gläubigen das Gebet auf arabisch. Sie rufen Allah bei seinem Namen an und sprechen eine Art Lobpreis: Gott hört denjenigen, der ihn preist. Preist den Herrn, den Gewaltigen. Den Höchsten.

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Dieser Beter in der „Alten Moschee“ in Mudanya kniet vor der Gebetsnische gen Mekka.

Allahu akbar. La ilaha lila illah. Gott ist groß. Niemand außer Gott ist anbetungswürdig. Jetzt verändert sich plötzlich die gesamte Formation vor mir. Eben noch beteten die Männer ungeordnet. Alle zwar mit Blick nach Mekka. Aber jeder betete in seinem Rhythmus und an seinem Platz. Nun aber bilden sich vier gerade Reihen hintereinander, alle mit dem Blick auf den Imam und die Gebetsnische, die den Weg nach Mekka anzeigt. Es folgt der Pflicht-Teil. Dieses Gebet gehört fünfmal am Tag zu den heiligen Pflichten eines jeden Muslims. Dabei sind die Uhrzeiten genau festgelegt, je nach geographischer Lage. Die genauen Zeiten hängen an kleinen Abreißkalendern in jedem muslimischen Haushalt. In diesen Tagen ist das Frühgebet um kurz vor sechs, es folgt das am Mittag. Die drei weiteren sind nach fünf, um kurz vor neun und um halb elf. Fünfmal am Tag auf die Knie vor dem, der alles gemacht hat! Vor dem auch Abraham, Isaak und Jakob niederknieten.

Nicht alle Gebete werden dabei in der Moschee verrichtet. Am häufigsten wird der Gebetsteppich in den eigenen vier Wänden ausgerollt. Aber das gemeinsame Gebet in der Moschee ist etwas besonderes und vierzigmal so viel Wert, sagt Sahin. „Stell dir einfach vor, alle Schüler einer Klasse haben richtig Mist gebaut. Und jetzt kommt jeder einzeln zum Lehrer und beichtet das. Wie viel stärker für beide muss es sein, wenn sie geschlossen vor den Lehrer treten und sagen: Es tut uns leid, kommt nicht wieder vor. Bitte verzeih uns.“

Nach etwa 20 Minuten ist das Gebet in der Moschee in Mudanya beendet. Beim Rausgehen begrüßen wir noch kurz den Muezzin. Er ist freundlich und ich habe den Eindruck, dass er sich über unseren Besuch freut. Moscheen sind großartige Orte der Stille – auch für Christen.

In der berühmten Ulu Camii von Bursa. Moscheen sind großartige Orte der Stille.
In der berühmten Ulu Camii von Bursa. Moscheen sind großartige Orte der Stille.