Wie die FAZ die Pegida verharmlost

Demonstrierende mit SPD und anderen Fahnen
Gegendemonstranten vom Bündnis Bonn stellt sich quer. Mehr als dreitausend waren am 22.12. gekommen (Bild nachträglich eingefügt).

Morgen sind sie wieder in Bonn. Kurz vor Weihnachten meldet die Pegida, die sich hier in Bonn „Bogida“ nennt, erneut eine Demo in der Innenstadt an, um gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ anzuschreien. Dann werden wir erneut markige Sprüche zu hören bekommen: „Deutsche Presse, halt die Fresse“ vielleicht. Oder wie bei der ersten Demo am vergangenen Montag, als das kleine Häufchen der 300 Verwirrten die „sozialistische Regierung“ – gemeint war die Bundesregierung – mit „Drecksack“ beschimpfte. Dazu einige Deutschlandfahnen, Bomberjacken und „Wir sind das Volk“ Sprüche. Gut, dass die Gegenseite „Bonn stellt sich quer“ mit mehr als 1.600 Bonnern einen Zug durch die Innenstadt verhinderte. Zur Gegendemo hatten auch Gewerkschaften und die Evangelische Kirche aufgerufen. Am Donnerstag nun meldete sich auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick grundsätzlich zu Wort: „Christen dürfen bei Pegida nicht mitmachen“, so Schick.  Und weiter: „Pegida-Aktivisten verbreiten Rassenhass und schüren irrationale Ängste unter den Menschen, sie sind ein Sammelbecken von diffusen Aggressionen gegen Menschen anderer Kulturen und Religionen.“ Eine klare und eindeutige Position auf dem Fundament christlicher Nächstenliebe, die Orientierung gibt.

Das ist „Falsche Führung“, schimpfte Reinhard Müller von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung daraufhin einen Tag später. Müller ist in der FAZ Politik verantwortlich für „Staat und Recht“ sowie das Zeitgeschehen. In seinem Kommentar wettert er gegen den Erzbischof, dessen Ansagen gegen die Pegida „müssen jeden Gläubigen in eine Krise stürzen.“ Und dann kommt es noch dicker: „Gegen was soll ein Christ demonstrieren dürfen, wenn nicht gegen die Islamisierung Europas?“ Ein Christ dürfe pointiert zum Ausdruck bringen, „dass er nicht unter islamischer Herrschaft leben will.“

Von der islamischen Herrschaft so weit entfernt wie von neuer Eiszeit

Mal ganz abgesehen davon, dass wir von einer „islamischen Herrschaft“ in Deutschland so weit entfernt sein dürften wie von einer neuen Eiszeit. Es sind eben keine Christen, die sich in dieser Pegida Bewegung zusammenfinden. Ein Christ schürt keine völlig irrationalen Ängste gegen Überfremdung oder gegen den Islam. Unsere muslimischen Schwestern und Brüder gehören wie die Juden zu den Religionen, die sich mit uns gemeinsam auf den Einen Gott berufen. Wir haben dieselbe Wurzel, einen Stammbaum, der auf Abraham zurückgeht.

Diese Verwandtschaft ist nun herausgefordert. Gemeinsam müssen wir Christen und unsere muslimischen Schwestern und Brüder die Stimme gegen den Islamismus in aller Welt erheben. Gegen eine islamistische Auslegung des Koran, der Freiheiten und Menschenrechte beschneidet. Und das geschieht ja auch schon. Aber gewiss nicht im Pegida Umfeld, in dem die Initiatoren aus der ganz rechten Ecke kommen. In Bonn hat übrigens Melanie Dittmer die Demonstration angemeldet. Sie gehörte nach WDR Angaben in früheren Jahren der Jugendorganisation der NPD an. Heute ist sie im Landesvorstand der rechtspopulistischen Pro NRW, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Ach ja, eine Frage von FAZ Kommentator Reinhard Müller muss unbedingt noch beantwortet werden: „Gegen was soll ein Christ demonstrieren dürfen, wenn nicht gegen die Islamisierung Europas?“ Vielleicht dagegen: Mehr als 300 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren müssen weltweit arbeiten. 115 Millionen von ihnen werden dabei so schwer ausgebeutet, dass sie dauerhaft Schaden nehmen an Körper, Seele und Geist. Ein Großteil dieser Ausbeutung hat übrigens maßgeblich mit unserem Lebensstil hier im christlichen „Abendland“ zu tun. Nur so als Gedanke, weil wir in drei Tagen ja wieder an das schutzlose Kind in der Krippe denken. Frohe Weihnachten!